

Sprachauffälligkeiten bei Kindern nehmen zu. So ist beispielsweise der bei den Schuleingangsuntersuchungen festgestellte Anteil von Kindern sowohl mit abklärungsbedürftigen Auffälligkeiten als auch bereits in Behandlung oder Therapie von 21,2 Prozent in 2015 auf 24,9 Prozent gestiegen.1 Jedes vierte Kind in Niedersachen hat demnach sprachliche Defizite. „Die Zahlen sind alarmierend und wir stehen hier vor einer enormen gesellschaftlichen Herausforderung“, so Dr. med. Martina Wenker, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN). In einem interdisziplinären Arbeitskreis hat die ÄKN gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Kassenärztlichen Vereinigung, der Deutschen Rentenversicherung Braunschweig-Hannover, dem Fachdienst Kinder-, Jugend- und Zahnmedizin der Region Hannover sowie des Kinder- und Jugendkrankenhauses Auf der Bult ein Konsenspapier verabschiedet, welches die zentralen Problemstellungen adressiert und Lösungsmöglichkeiten aufzeichnet. „Wir alle sehen in unseren jeweiligen Fachgebieten eine deutliche Zunahme von Sprachstörungen. Und da Sprache ein zentrales Instrument in der kindlichen Entwicklung ist, folgen hierauf weitere Entwicklungsstörungen. Wenn wir die Sprachentwicklung also nicht genau im Blick haben und bei Problemen rechtzeitig gegensteuern, erleiden die betroffenen Kinder noch viele andere Schwierigkeiten, die sie mitunter ihr Leben lang begleiten werden“, so Dr. med. Thomas Buck, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde und Mitglied im Landesvorstand der ÄKN.
Im Bereich der Sprachdiagnostik sehen die Expertinnen und Experten des Arbeitskreises die größte Herausforderung in einer rechtzeitigen und standardisierten Erhebung möglicher sprachlicher Defizite und empfehlen hier vor allem eine qualifizierte Sprachdiagnostik für alle Kinder im Alter von zwei bis drei Jahren in Zusammenhang mit den kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen. Um dies zu erreichen fordern sie eine stärkere Unterstützung für Kinderärztinnen und Kinderärzte, verstärkte Förderung für digitale Hilfen in den Arztpraxen, reduzierte Wartezeiten in sozialpädiatrischen Zentren bei individueller Diagnostik sowie ein flächendeckendes Angebot an pädaudiologischer Versorgung.
Bezüglich der Intervention bei Sprachauffälligkeiten in Kindertageseinrichtungen sieht der Arbeitskreis die dortigen Sprachförderangebote – sowohl was die alltagsintegrierte Sprachbildung als auch die individuelle Sprachförderung für Kinder mit besonderem Förderbedarf angeht – als sinnvoll an. Diese stehen jedoch nicht kontinuierlich und flächendeckend zur Verfügung, so dass diese Angebote dringend ausgebaut werden müssen.
Grundsätzlich sind für die Sprachentwicklung laut dem Konsenspapier eine anregende Sprachumgebung und eine zugewandte Kommunikation wichtig. Für Kommunen, die unter einem langfristigen Mangel an Sprachförderkräften leiden, ist digitale Sprachförderung eine weitere Möglichkeit. Hierzu soll beispielsweise eine Sprachförder-App entwickelt und fortlaufend evaluiert werden.
Im Bereich der individuellen Sprachförderung ist die logopädische Versorgung der Betroffenen durch nicht ausreichende Therapieplätze und durch inhomogene Verteilung von Therapieplätzen in Niedersachsen erschwert. Hier fordert der Arbeitskreis mehr Investitionen in die Ausbildung von Logopädinnen und Logopäden.
Bei Kindern und Jugendlichen, die unter einer Sprach- oder Sprechstörung leiden, können laut Konsenspapier durch eine fachgerechte Kinderrehabilitation in einer Klinik binnen weniger Wochen bemerkenswerte Fortschritte erzielt werden. Angesichts der kontinuierlich angestiegenen Fallzahlen und Wartezeiten sowie begrenzter Behandlungskapazitäten besteht hier jedoch ein deutlicher Bedarf zur Verbesserung der Situation in der Kinderrehabilitation.
Die Abteilung für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) bietet ab sofort im Rahmen einer klinischen Studie eine neuartige Therapieform für Arthroseerkrankungen der Hand an. Dabei wird das Potenzial von körpereigenem Fettgewebe genutzt. Ziel ist es Schmerzen zu lindern, die Funktion der Hand zu verbessern und größere operative Eingriffe hinauszuzögern. Studienteilnehmer werden noch gesucht.
Die Rhizarthrose betrifft das Daumensattelgelenk (zwischen dem ersten Mittelhandknochen und dem Os trapezium) und tritt besonders häufig bei Frauen mittleren bis höheren Alters auf. Typische Beschwerden sind belastungsabhängige Schmerzen, Kraftverlust beim Greifen sowie eine eingeschränkte Beweglichkeit des Daumens.
Die Radiokarpalarthrose befällt das Hauptgelenk zwischen der Speiche (Radius) und den Handwurzelknochen. Ursachen sind meist degenerative Veränderungen, entzündliche Erkrankungen oder Verletzungsfolgen wie eine distale Radiusfraktur. Die Patienten klagen über Bewegungsschmerzen, Schwellungen und eine reduzierte Handfunktion.
CELT: Regensburger Spezialverfahren
Das UKR verfolgt mit dem Cell Enriched Lipotransfer (CELT) einen neuen Therapieansatz: Das vom Klinikdirektor Professor Dr. Dr. Lukas Prantl, Direktor der Abteilung für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie des UKR, und seinem Team entwickelte Verfahren nutzt körpereigenes Fettgewebe, das speziell aufbereitet wird.
Ein Alleinstellungsmerkmal ist die behördliche Zulassung: Das Verfahren ist nach den §§ 20b und 20c des Arzneimittelgesetzes (AMG) zur Gewebezubereitung genehmigt worden.
Rhizarthrose und Radiokarpalarthrose – eine zunehmende Belastung
Die Frühere Studien und erste Erfahrungswerte zeigen, dass durch die CELT-Therapie eine Schmerzlinderung, Funktionsverbesserung sowie eine Verzögerung chirurgischer Eingriffe erzielt werden können – insbesondere im Frühstadium oder bei moderaten Symptomen.
„Unser Ziel ist es, eine effektive und gleichzeitig patientenschonende Behandlungsoption zu bieten, bevor operative Maßnahmen notwendig werden“, erklärt Professor Prantl. „Mit CELT setzen wir auf eine innovative, minimalinvasive Lösung aus dem eigenen Körper der Patientinnen und Patienten.“
Studienteilnahme und Beratung
Patientinnen und Patienten mit Rhizarthrose oder Radiokarpalarthrose, die an der Studie teilnehmen oder sich individuell beraten lassen möchten, können sich direkt an die Klinik für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie des Universitätsklinikums Regensburg wenden.
Immer mehr Studierende sitzen sich krank. Sie leiden schon in jungen Jahren unter Rückenschmerzen – trotz voller Energie und Leistungsmotivation. Der Report 2025 der Deutschen Krankenversicherung AG zeigt, dass junge Erwachsene zwischen 18 und 29 Jahren an Werktagen mit durchschnittlich rund 11 Stunden mehr als jede andere Altersgruppe sitzen – am Arbeitsplatz, im Studium, während der Mobilität und in der Freizeit. „Das ist alarmierend, denn erste Rückenbeschwerden durch Bewegungsmangel in jungen Jahren erhöhen das Risiko, später chronisch darunter zu leiden“, warnt Dr. Dieter Breithecker, Gesundheits- und Bewegungswissenschaftler sowie Experte der Aktion Gesunder Rücken (AGR) e.V. Der Verein, der sich seit 30 Jahren für Rückengesundheit engagiert, gibt Tipps, wie Studierende mit kleinen Maßnahmen ihren Rücken stärken, und zertifiziert besonders rückenfreundliche Produkte, unter anderem Rucksäcke für Studierende.
Der typische Uni-Alltag ist alles andere als rückenfreundlich: unbequeme Sitze in Vorlesungssälen, intensive Lernphasen am Laptop, dazu ein Rucksack, der mit Laptop, Büchern und sonstiger Ausstattung häufig mehrere Kilos wiegt. Das dauerhaft starre Sitzen reduziert die Nährstoffversorgung der Bandscheiben, die Last fördert Schulter- und Nackenverspannungen; Schlafdefizit und Stress erhöhen zusätzlich den Muskeltonus. Frühwarnzeichen für einen unausgeglichenen Alltag sind ein verspannter Nacken, ein ziehender unterer Rücken und Kopfschmerzen.
Clever vorbeugen: Stellschrauben für einen starken Rücken
Nach Stunden im Hörsaal oder am Laptop brauchen Kopf und Körper vor allem eins: Bewegung. Schon kurze, regelmäßige Unterbrechungen und kleine Routinen machen einen spürbaren Unterschied. Die gute Nachricht: Mit kleinen Veränderungen im Alltag lässt sich viel erreichen – und zwar ohne großen Aufwand.
Eltern, die die Entwicklung ihres Kindes bestmöglich fördern wollen, stehen oft vor der Frage: Welche Aktivitäten, Spiele und Spielzeuge unterstützen dies? „Geht es um Spiele und Spielsachen, legen Eltern häufig Wert auf das Prädikat ‚pädagogisch wertvoll‘ “, weiß Martina Wolf, Ergotherapeutin im DVE (Deutscher Verband Ergotherapie e.V.). Die in der Frühförderung tätige Ergotherapeutin betont, wie wichtig Spielen für Kinder ist. Dabei gibt sie zu bedenken, dass Spielen nicht nur bedeutet, Kinder mit (gekauftem) Spielzeug zu beschäftigen. Eine große – und pädagogisch ebenso wertvolle – Bedeutung hat der Alltag einer Familie. Es ist wichtig, dass Bezugspersonen Zeit mit dem Kind verbringen und es spielerisch in alltägliche Aktivitäten einbeziehen. Dies fördert die Entwicklung der verschiedenen körperlichen, motorischen, sprachlichen, emotionalen und sozialen Fähigkeiten und wirkt sich auf die Kreativität aus.
Junge Eltern stehen oft unter Druck. Gehen beide arbeiten, sind Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen. In traditionellen Haushalten oder bei Alleinerziehenden lastet das Meiste oder alles auf einem Elternteil. „Es tut dem gesamtem Familiensystem gut, Stress rauszunehmen“, betont die Ergotherapeutin Martina Wolf. Beziehen Eltern Kinder mehr in das Alltägliche ein und geben dem Ganzen einen spielerischen Anstrich, kommt es zur Entlastung der Eltern oder Elternteile und bringt auch den Kindern einen echten Mehrwert: „Mit dem Kind spielen“ muss nicht immer eine Aufgabe on top sein, sondern kann in den Alltag integriert stattfinden.
In Beziehung mit dem Kind sein: besser fördern geht nicht
Eltern, die mit ihren Kindern zu Martina Wolf in die ergotherapeutische Frühförderung kommen, verdeutlicht sie den Wert alltäglicher Dinge und vor allem den Wert des Miteinanders: „Beziehung ist etwas ganz Entscheidendes in der Frühentwicklung von Kindern; etwas gemeinsam tun passiert in Beziehung: Eltern erledigen oder machen etwas und Kinder ahmen nach“. Ebenso essentiell ist das Benennen von Gefühlen. „Die Forschung bestätigt, wie wichtig es ist, Wörter für seine Gefühle zu finden“, bestätigt die Ergotherapeutin. Babys haben Gefühle oder besser: sie sind ein einziges Gefühl. Ein Baby weiß jedoch nicht, was das gerade ist, was es fühlt: ist es traurig, freudig, ängstlich, oder oder oder? Indem Eltern ihrem Kind von Anfang an in der jeweiligen Situation spiegeln: „jetzt bist Du traurig, freust Dich, bist stolz, bist wütend und so weiter“ können Kinder ihren Empfindungen später das passende Wort zuordnen. Verstehen Eltern ihr Kind und spiegeln seine Gefühle gut, lernt es, dass andere ebenfalls Gefühle haben. Ab etwa viereinhalb Jahren kann es verstehen, dass ein anderes Kind traurig ist, weil es ihm die Schaufel weggenommen, es geschubst hat oder es nicht mitspielen lässt. „Ein jüngeres Kind spürt schon, dass es einem anderen gerade nicht gut geht. Sich in andere hineinzuversetzen lernen Kinder jedoch erst im Lauf der Zeit und indem die Eltern oder Bezugspersonen sie immer wieder in ihren Gefühlen interpretieren und diese aussprechen“, verdeutlicht die Ergotherapeutin Wolf diesen Prozess der emotionalen und sozialen Entwicklung, um Kinder zu Menschen mit emotionaler Intelligenz und Empathie heranwachsen zu lassen. Dazu braucht das Kind ein Gegenüber. Digitale Medien und Spiele reichen dazu nicht aus, selbst wenn sie pädagogisch gut gestaltet sind.
Alltagsgegenstände: zum Erkunden und Spielen gut
„Kinder profitieren davon, wenn Bezugspersonen Zeit mit ihnen verbringen“, fasst die Ergotherapeutin Martina Wolf nochmals zusammen. Tätigkeiten, die zum Alltag gehören, müssen nicht separiert von den Kindern stattfinden. Kinder können beim Kochen dabei sein und beim Vor- und Zubereiten helfen. Obst und Gemüse schnippeln – ab Kindergartenalter –, beim Teig rühren helfen und so weiter. Auch beim Wäsche falten, beim Tisch decken oder bei anderen Aktivitäten, die zum täglichen Leben gehören, können sie mitmachen. Kleine Kinder können die Haptik der Materialien, die im Haushalt vorkommen erkunden, was für Textilien genauso gilt wie für Küchengeräte wie Schneebesen, Siebe, Schüsseln aus unterschiedlichen Materialien und vieles mehr. Schon Babys „trainieren“ auf diese Weise das Explorieren, also das Erkunden ihrer Umwelt. Und was könnte spannender sein, als die Dinge zu untersuchen, die Mama oder Papa verwenden? Zuerst verstehen sie die Funktion der Gegenstände, später, wenn sich das im Spiel entwickelt, geben sie ihnen einen anderen Zweck oder Rolle. „Herrlich, wenn Kinder im Spiel mit dem Schneebesen ein Mikrofon darin sehen oder mit einem Tuch behängt eine Handpuppe daraus wird“, freut sich die Ergotherapeutin, die weiß, wie wichtig Kreativität, also die Fähigkeit, Ideen zu entwickeln und Lösungen zu finden, im späteren (Berufs-)Leben ist. Genauso spielerisch können sich Kinder Zahlen und einfaches Rechnen im Alltag aneignen: Ein Paar Socken finden, alle bunten T-Shirts aufaddieren, Besteck für die gesamte Familie suchen – so lassen sich die Grundrechenarten und ein Gespür für Zahlen kinderleicht erlernen. „Dass bei all dem im Spiel die motorischen Fähigkeiten, Konzentration und Aufmerksamkeit gefördert werden, ist ein begrüßenswerter Nebeneffekt und genauso zielführend wie lehrreiche Spielsachen“, so das ergotherapeutische Fazit.
Fördert die Motivation: Individuelle Interessen der Kinder berücksichtigen
Ein weiterer Aspekt, den Ergotherapeut:innen unabhängig vom Alter immer berücksichtigen, sind individuelle Interessen und Vorlieben. Neben anderen Gründen kann es durch zu frühes Nutzen von Tablets oder anderen digitalen Geräten zu motorischen oder grafomotorischen Schwierigkeiten bei Kindergarten- und Vorschulkindern kommen. Auch Kinder, die keine erkennbaren Probleme haben, sondern einfach nur im entsprechenden Alter ihre für die Schule nötigen Fähigkeiten trainieren sollen, können sich für Handwerkliches, Zeichnen oder Basteln begeistern, wenn es um ein Thema geht, das für sie relevant ist. Ergotherapeut:innen nutzen dieses Wissen, um Kindern gute Impulse zu geben und sie für Übungen zu begeistern. Die Ergotherapeutin Wolf erläutert das an einem Beispiel: „Habe ich in der Therapie einen Jungen, der Spiderman mag, dann kann ich das nutzen, um schulrelevante Fähigkeiten und Fertigkeiten aufzubauen“. Durch diese Herangehensweise entwickelt sich eine Aufgabe zu etwas, das das Kind spannend findet. Beim Malen und Zeichnen macht es Bewegungen, die denen auf Übungsblättern für Vorschulkindern ähneln. Jedoch mit dem großen Unterschied, dass nicht vorgegebene Striche, Linien und Bögen von A nach B zu ziehen sind, sondern ein individuelles Bild entsteht, das das Kind selbst kreiert hat und das seinen Interessen entspricht. Solche Übungen machen nicht nur Spaß, sie motivieren Kinder, weiterzumachen, spielerisch zu üben, für das Resultat gelobt zu werden und sich im nächsten Schritt der nächsten Schwierigkeitsstufe zuzuwenden.