

Regelmäßige Bewegung kann ein wichtiger Schlüssel zu mehr Gesundheit sein, denn körperliche Aktivität stärkt den Rücken, die Muskeln und den Stoffwechsel, fördert die Durchblutung und erhält die Mobilität. Aktuelle Studien deuten zudem darauf hin, dass ein aktiver Alltag mit einem geringeren Risiko für bestimmte Erkrankungen und einem langsameren kognitiven Abbau verbunden sein kann.¹ ² ³
„Bewegung ist keine Wunderpille und ersetzt weder eine Diagnose noch eine notwendige Therapie. Sie ist aber einer der stärksten Hebel, die wir im Alltag selbst bedienen können: Sie hält den Rücken belastbar, unterbricht schädliche Sitzroutinen und kann dazu beitragen, Krankheitsrisiken zu senken“, sagt Detlef Detjen, Geschäftsführer der Aktion Gesunder Rücken (AGR) e.V. Die AGR gibt Orientierung – mit konkreten Tipps für einen rückenfreundlichen Alltag und dem AGR-Gütesiegel für ergonomische Produkte.
Was Bewegung bei Krebs und Demenz bewirken kann
Aktuelle Studien zeigen, dass Bewegung auch mit Blick auf Krebs und Demenz eine wichtige Rolle spielen kann. Eine Langzeituntersuchung mit mehr als 90.000 Erwachsenen kommt zu dem Ergebnis, dass lange, kaum unterbrochene Sitzzeiten mit ungünstigeren gesundheitlichen Entwicklungen im Zusammenhang stehen. Bereits leichte oder moderate Bewegungspausen wirkten sich in der Auswertung positiv aus.¹ Die Studie belegt zwar nicht, dass Bewegung vor Krebs schützt. Sie unterstreicht jedoch, wie sinnvoll es ist, langes Sitzen regelmäßig zu unterbrechen.
Auch für die Gehirngesundheit gibt es ermutigende Hinweise: Eine weitere Langzeitstudie zeigt, dass regelmäßiges Gehen bei älteren Menschen mit frühen Alzheimer-Anzeichen zu einem langsameren geistigen Abbau führen kann.² Der Demenzbericht des Fachjournals The Lancet nennt körperliche Inaktivität ebenfalls als einen beeinflussbaren Risikofaktor.³
Bewegung kann Krankheiten nicht verhindern, ist aber ein wichtiger Baustein der Gesundheitsvorsorge – und etwas, das fast jeder im Alltag selbst beeinflussen kann.⁴
Ein aktiver Alltag beginnt beim Rücken
Für regelmäßige Bewegung braucht der Körper Kraft, Beweglichkeit und Vertrauen in die eigene Belastbarkeit. Der Rücken spielt dabei eine zentrale Rolle. Ist die Rumpfmuskulatur wenig trainiert oder bleibt der Körper über viele Stunden in derselben Haltung, können Verspannungen und Beschwerden entstehen.
Abwechslung ist deshalb besonders wichtig, denn Sitzen ist nicht grundsätzlich ungesund. Problematisch wird es vor allem, wenn Menschen zu lange sitzen und zudem unbewegt in einer Position verharren. Der regelmäßige Wechsel zwischen Sitzen, Stehen und Gehen bringt die Muskulatur in Aktion und verändert die Belastung der Wirbelsäule. ⁴ ⁵
Auch Krafttraining gehört zu einem ausgewogenen Bewegungsprogramm. Es stärkt neben dem Rücken auch Beine, Gesäß und Rumpf. Das erleichtert alltägliche Bewegungen, verbessert die Stabilität und kann helfen, die Mobilität langfristig zu erhalten. ⁴ ⁵
„Entscheidend ist nicht, wie sportlich jemand ist, sondern ob Bewegung dauerhaft einen Platz im Alltag bekommt“, betont Detjen. „Wer regelmäßig aktiv bleibt und seinem Körper unterschiedliche Belastungsreize bietet, schafft gute Voraussetzungen dafür, beweglich, belastbar und auch im Alter möglichst lange selbstständig zu bleiben.“
Fünf einfache Schritte zu mehr Bewegung
Die Abkürzung MS steht für Multiple Sklerose. Dabei handelt es sich nicht um eine Erkrankung der Muskulatur, sondern um eine chronisch-entzündliche Erkrankung des Zentralen Nervensystems. „Bei Multipler Sklerose werden durch fehlgeleitete Immunprozesse Strukturen in Gehirn und Rückenmark geschädigt. Dadurch kann die Weiterleitung von Nervensignalen beeinträchtigt werden“, erklärt AMSEL, Aktion Multiple Sklerose Erkrankter, Landesverband der DMSG in Baden-Württemberg e.V. Muskelschwund – medizinisch Muskelatrophie genannt – bezeichnet dagegen die Abnahme von Muskelmasse. Der Begriff ist keine eigenständige Diagnose, sondern beschreibt einen Befund beziehungsweise ein Symptom, das unterschiedliche Ursachen haben kann.
Unterschiedliche Ursachen
Der Name Multiple Sklerose bedeutet sinngemäß „vielfache (multiple) Verhärtungen beziehungsweise Vernarbungen (Sklerosen)“. Gemeint sind damit die vielen Narben, die bei MS als Folge chronischer Entzündungen im Gehirn oder Rückenmark entstehen. Je nachdem, welche Bereiche des Zentralen Nervensystems betroffen sind, können unterschiedliche Beschwerden auftreten. Dazu zählen unter anderem Sehstörungen, Spastik, Kognitionsprobleme oder Fatigue – eine abnormale körperliche und geistige Erschöpfbarkeit. Die Muskulatur der MS-Erkrankten ist jedoch in der Regel gesund, sie kann nur bei manchen Betroffenen nicht mehr richtig gesteuert werden.
Muskelschwund kann dagegen verschiedene neuromuskuläre Ursachen haben, bei denen der Muskel selbst, motorische Nervenzellen, periphere Nerven oder die Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel betroffen sein können. Sie sind gekennzeichnet durch einen stetigen Verlust an Muskelmasse. Zu diesen Erkrankungen gehören unter anderem die Duchenne-Muskeldystrophie und die Spinale Muskelatrophie (SMA).
Neuromuskuläre Erkrankungen können erblich bedingt oder im Laufe des Lebens erworben sein. Verlauf und Ausprägung unterscheiden sich erheblich: Bei manchen Erkrankungen sind nur einzelne Muskelgruppen betroffen, bei anderen größere Teile der Muskulatur.
Muskelabbau als mögliche Folge von Bewegungsmangel
Auch bei Menschen mit MS kann die Muskelmasse abnehmen. Ursache dafür kann beispielsweise sein, dass bestimmte Muskeln aufgrund von Bewegungseinschränkungen über längere Zeit weniger beansprucht werden. Die zugrundeliegende MS ist dennoch keine primäre Muskelerkrankung: Die Muskelschwäche entsteht vor allem dadurch, dass die Steuerung der Muskulatur durch das Zentrale Nervensystem beeinträchtigt ist.
Einem inaktivitätsbedingten (sekundären) Muskelabbau kann häufig mit individuell angepasster Bewegung, Krafttraining und Physiotherapie entgegengewirkt werden. Welche Maßnahmen geeignet sind und in welchem Umfang sich Muskelmasse wiederaufbauen lässt, hängt von der persönlichen gesundheitlichen Situation ab.
Ähnliche Beschwerden bedeuten nicht dieselbe Erkrankung
MS und neuromuskuläre Erkrankungen können ähnliche Beschwerden verursachen. Ein Beispiel ist die Fußheberschwäche: Betroffene können den Fuß beim Gehen nicht mehr ausreichend anheben und rollen ihn nicht mehr kontrolliert ab. Eine solche Schwäche kann sowohl bei MS als auch bei unterschiedlichen Erkrankungen der Nerven oder Muskeln auftreten. Das gleiche Symptom lässt daher nicht automatisch auf die gleiche Ursache schließen.
Seit 1974 ist AMSEL Fachverband, Interessenvertretung und Selbsthilfeorganisation für Menschen mit MS und ihre Angehörigen. Unterstützung im Umgang mit der Erkrankung sowie aktuelle Informationen rund um Multiple Sklerose bietet AMSEL unter www.amsel.de
Ruhig sitzen, brav bleiben, nicht zappeln: Was von Kindern oft erwartet wird, ist alles andere als gesund. „Kinder brauchen vielseitige Reize für die Reifung von Muskeln, Knochen, Nervensystem und Gehirn. Stures Stillsitzen blockiert genau das“, sagt Dr. Dieter Breithecker, Sport- und Bewegungswissenschaftler und Experte für die Rückengesundheit von Kindern bei der Aktion Gesunder Rücken (AGR) e.V. Ein aktiver Alltag und bewegungsfreundliche Sitzmöbel können die körperliche und geistige Gesundheit fördern. Auch kreatives Spielmaterial bringt Bewegung ins Kinderzimmer, darunter das Konzept für Spiel- und Bewegungselemente „Stapelstein“, das mit dem AGR-Gütesiegel „Geprüft & empfohlen“ für seine rückengerechte Entwicklungsförderung ausgezeichnet wurde. Der unabhängige Verein prüft und zertifiziert mit einer Experten-Kommission aus den Bereichen Medizin, Therapie sowie Sport- und Bewegungswissenschaft die Qualität rückenfreundlicher Produkte aus allen Lebensbereichen und gibt wissenschaftlich fundierte Tipps für mehr Rückengesundheit.
Wie freies Spiel Muskeln und Rücken trainiert
Nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder in Deutschland sitzen zu viel: Rund drei Viertel der 3- bis 17-Jährigen bewegen sich weniger als die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen 60 Minuten am Tag. Dabei ist Bewegung in den ersten Lebensjahren für die Entwicklung entscheidend: Kinder, die regelmäßig toben, klettern, springen und balancieren, aktivieren dabei ganze Muskelketten, was für stabile Gelenke und starke Knochen sorgt. „Durch das Gleichgewichtstraining wird besonders die stützende Tiefenmuskulatur rund um die Wirbelsäule aktiviert“, erklärt Dr. Dieter Breithecker. Auch für das Gehirn ist Bewegung ein wichtiger Wachstumsreiz. „Vor allem offenes, freies Bewegungsspiel regt die Bildung neuer Nervenverbindungen an und legt den Grundstein für Koordination, Konzentration und Lernfähigkeit“, betont der AGR-Experte.
Spielzeug für Bewegung und Kreativität
Ein Beispiel für die Kombination aus Spielzeug und Sportgerät, das durch kreative Bewegungsanreize in besonderem Maße die Rückengesundheit fördert, sind bunte Stapelsteine. Erst Turm, dann Brücke, dann Trittstein-Parcours: Die stapelbaren Elemente fördern die Fantasie und laden zum Balancieren, Hüpfen und Klettern ein. Anstatt vorgegebener Abläufe entwickeln Kinder ihre eigenen Bewegungsideen und entscheiden selbst, ob ein Element zur Standfläche, Sitzgelegenheit oder zum Baustein wird. „Die Auseinandersetzung mit Spielzeug ohne vorgegebene Funktion fördert neben Raumwahrnehmung und Koordination auch Kreativität, Konzentration und problemlösendes Denken“, sagt Breithecker. Instabile Untergründe und wechselnde Höhen setzen dabei Trainingsreize, die Gelenke und Wirbelsäule zum gesunden Wachsen benötigen. Die platzsparenden Steine funktionieren auch als Hocker, Podest, Markierung oder Lernhilfe zum Erkennen von Farben und Mengen.
So fördern Sie freies Bewegungsspiel:
Die Ärztin und ehemalige Olympiaruderin Kathrin Marchand erlitt vor fünf Jahren einen Schlaganfall. Heute ist die 35-jährige Kölnerin sehr erfolgreiche Para-Ruderin und Para-Skilangläuferin – unter anderem mit EM- und WM-Titeln. Sie ist die erste Athletin überhaupt, die bisher an den Olympischen und Paralympischen Sommer- und Winterspielen teilgenommen hat. Marchand weiß deshalb genau, wie lebensverändernd ein Schlaganfall ist, aber auch, was danach noch möglich ist.
Auf dem 2. Deutschen Schlaganfallkongress, dem DSG26, in Berlin wird sie vor rund 1.000 Ärzten, Fachpflegenden und Therapeuten über Einschränkungen im Alltag, über Sport, Rehabilitation und Rückschläge sprechen – aber auch darüber, warum es sich lohnt, immer weiterzumachen.
Kathrin Marchand saß 2021 auf dem Spinning-Rad, als plötzlich ihre linke Körperhälfte taub wurde und ihr Gesichtsfeld eingeschränkt war. „Als Ärztin erkannte ich die Symptome schnell: Plötzlich auftretende neurologische Ausfälle ließen mich an einen Schlaganfall denken. Als Mensch dachte ich gleichzeitig: Das kann doch nicht sein. Ich bin jung, gesund und sportlich“, erinnert sie sich.
Die Folgen sind für Außenstehende bis heute nur schwer zu erkennen. Marchand hat unter anderem einen visuellen Neglect: Obwohl sie weiß, dass sie die linke Seite ihres Gesichtsfelds nicht richtig wahrnimmt, vergisst sie immer wieder, diese Seite zu berücksichtigen. Auch ihre linke Körperhälfte fühlt sich anders an: Kraft ist grundsätzlich vorhanden, doch Ansteuerung und Rückmeldung aus dem Körper funktionieren nicht mehr wie vor dem Schlaganfall. Hinzu kommen Einschränkungen bei Konzentration, Belastbarkeit und der Verarbeitung schneller Bewegungen.
Von der Olympiaruderin zur Para-Ruderin und Para-Skilangläuferin
Aber: „Ich kann den Betroffenen Mut machen“, sagt Marchand heute. Ihre zentrale Botschaft richtet sich nicht nur an Betroffene, sondern auch an Ärzte, Therapeuten sowie alle, die Menschen nach einem Schlaganfall begleiten. „Es muss nicht alles wieder so werden wie vorher, aber es kann trotzdem weitergehen. Man kann neue Dinge finden, die einem Freude machen und an denen man sich festhalten kann.“
Bei Marchand war das zunächst der Weg zurück in den Leistungssport. Vor dem Schlaganfall hatte sie als Ruderin bereits Erfolge bei den Olympischen Spielen 2012 und 2016 sowie bei Europameisterschaften, gewann unter anderem 2013 und 2016 jeweils eine Silbermedaille. Nach ihrer Erkrankung arbeitete sie sich Schritt für Schritt zurück. Seit 2022 gewann sie mehrere Medaillen bei den Europa- und Weltmeisterschaften im Para-Rudern. Ende 2024 fokussierte sich die Erfolgsverwöhnte zusätzlich auf den Para-Skilanglauf. Nur rund 14 Monate Training später qualifizierte sie sich für die Paralympischen Winterspiele 2026 in Italien. Damit schrieb sie Sportgeschichte: Sie ist die erste Athletin überhaupt, die bei Olympischen und Paralympischen Sommer- und Winterspielen an den Start ging!
Es gilt herauszufinden: Was ist wieder möglich?
Marchands Geschichte ist kein Plädoyer dafür, nach einem Schlaganfall Leistungssport betreiben zu müssen. „Es geht darum, herauszufinden, was für die Einzelne bzw. den Einzelnen wieder möglich ist. Das kann Sport sein, aber genauso ein Beruf, ein Hobby oder ein anderes persönliches Ziel.“ Für sie ist der Sport etwas, woran sie sich festhalten kann. Er hilft ihr, ihren Körper neu einzuschätzen, mit Belastungen umzugehen und wieder Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln.
Auch beruflich hat sich ihr Weg verändert. Ihre ursprünglichen Pläne – unter anderem eine Karriere als Kardiologin – sind nach dem Schlaganfall in weite Ferne gerückt. Heute arbeitet Marchand in der Orthopädie und möchte langfristig ihren Facharzt für Allgemeinmedizin machen. Der Weg ist ein anderer als ursprünglich gedacht, aber dafür hat sich eine neue Perspektive eröffnet.
„Es geht nicht darum, nach einem Schlaganfall wieder genau der Mensch zu werden, der man vorher war“, weiß die Kölnerin. „Aber das Leben nach einem Schlaganfall kann gut und erfolgreich weitergehen.“
Ihre eigene Geschichte zeigt, wie weit dieser Weg führen kann.