

Mit Blick auf die bevorstehende Fußball-WM weist die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) darauf hin, dass sich viele Kreuzband- und Meniskusverletzungen durch gezieltes Training vermeiden lassen. Sie empfiehlt das kostenfreie Präventionsprogramm STOP-X, das jetzt in überarbeiteter Form online verfügbar ist. STOP-X bietet passende Trainingsroutinen, um Knieverletzungen vorzubeugen – sowohl im regelmäßigen Training als auch beim Aufwärmen vor dem Spiel.
„Viele schwere Knieverletzungen im Fußball passieren nicht durch Fouls, sondern durch abruptes Abstoppen, Landungen nach Sprüngen oder schnelle Richtungswechsel und genau diese Situationen lassen sich trainieren“, sagt DGOU-Präsident Prof. Dr. Frank Hildebrand. Passend zur Fußball-WM hat die DGOU außerdem das Dossier „Gesund am Ball: Fußball-Spezial“ zusammengestellt.
Nach Angaben der DGOU-Sektion Deutsche Kniegesellschaft (DKG) entstehen rund drei Viertel aller Kreuzbandrisse im Fußball ohne direkten Gegnerkontakt. „Ein Kreuzbandriss kann jede Fußballerin und jeden Fußballer treffen. Frauen haben ein deutlich höheres Risiko für einen Kreuzbandriss als Männer“, sagt DKG-Präsident Prof. Dr. Steffen Schröter.
STOP-X wurde von Ärzten, Physiotherapeuten und Sportwissenschaftlern der DKG entwickelt. Der Name des Programmes bezieht sich auf einen Risikofaktor bei Knieverletzungen, nämlich die valgische Stellung der unteren Extremität. Diese entsteht im Fußball häufig, wenn das Knie bei schnellen Richtungswechseln, abruptem Abbremsen oder nach einem Sprung nach innen einknickt und dabei eine X-Bein-Stellung entsteht. „Die Gefahr dieser Gelenkstellung liegt darin, dass das Kniegelenk stark belastet wird. Dadurch steigt insbesondere das Risiko für Kreuzband-, Meniskus- und Innenbandverletzungen“, erklärt Dr. Arthur Praetorius, Sportwissenschaftler und DKG-Vorstandsmitglied – der das Programm mit entwickelt hat.
„Die Übungen aus dem STOP-X-Programm sollen vor allem verhindern, dass das Knie bei schnellen Fußballbewegungen in eine gefährliche X-Stellung gerät und dabei Kreuzband oder Meniskus verletzt werden“, sagt Schröter.
Das STOP-X-Programm umfasst mehrere strukturierte Übungseinheiten aus den Domänen Mobilität, Kraft, Bewegungskontrolle und Elastizität. Es wurde speziell für Sportarten mit einem erhöhten Risiko für Knieverletzungen entwickelt, darunter insbesondere Fußball. Die Übungen werden zu unterschiedlichen Trainingsmodulen kombiniert und können entweder als 15- bis 20-minütiges Aufwärmprogramm in das Mannschaftstraining integriert oder als individuelles Heimtraining durchgeführt werden. Das Angebot richtet sich an Einsteiger, Fortgeschrittene und erfahrene Sportlerinnen und Sportler.
Zentrale Übungen aus den vier Domänen für Fußballer sind:
Mobilität: Eine gute Beweglichkeit, insbesondere der Hüfte, ist die Grundlage für saubere und kontrollierte Bewegungen auf dem Platz. Deshalb gehören zu jeder STOP-X-Trainingsroutine Mobilitätsübungen wie Ausfallschritte, Hüftöffner oder kontrollierte Rotationsbewegungen, die den Bewegungsumfang verbessern und Fehlbelastungen vorbeugen sollen.
Kraft: Starke Muskeln entlasten das Kniegelenk. STOP-X enthält deshalb Übungen zur Kräftigung der Oberschenkelrückseite (Hamstrings), etwa Halteübungen und kontrollierte Beinbewegungen, sowie verschiedene Kniebeugen-Varianten. Sie stärken die Muskulatur rund um das Knie und können dazu beitragen, Verletzungen vorzubeugen.
Kontrolle: Das Knie wird besonders dann belastet, wenn Bewegungen unsauber oder unkontrolliert ausgeführt werden. Deshalb trainiert STOP-X gezielt die Stabilität von Rumpf, Hüfte und Beinen. Dazu gehören beispielsweise Gleichgewichtsübungen im Einbeinstand oder Bewegungsabläufe, bei denen das Knie bewusst in einer stabilen Position gehalten wird.
Elastizität: Fußball erfordert schnelle Richtungswechsel, Sprünge und abrupte Stopps. STOP-X trainiert diese Situationen mit Sprung-, Landungs- und Wendebewegungen. Zusätzliche Reize, etwa unerwartete Richtungsanweisungen, fördern die Reaktionsfähigkeit und helfen dabei, auch unter Zeitdruck kontrolliert zu bleiben.
Kommt es trotz Prävention zu einer Knieverletzung, gilt zunächst die sogenannte PEACE & LOVE REGEL:
PEACE (Sofortmaßnahme für die ersten 1 bis 3 Tage)
P - Protect (Schützen): Das betroffene Gelenk oder den Muskel ruhigstellen, um weitere Schäden zu verhindern.
E - Elevate (Hochlagern): Die verletzte Stelle über Herzhöhe lagern, um Schwellungen zu reduzieren.
A - Avoid anti-inflammatory (Entzündungshemmer vermeiden): Auf kühlende Maßnahmen und entzündungshemmende Medikamente verzichten, da natürliche Entzündungsreaktionen wichtig für den Heilungsprozess sind.
C - Compress (Kompression): Einen leichten Druckverband anlegen, um Schwellungen einzudämmen.
E - Educate (Aufklärung): Den Körper aktiv unterstützen und Überbehandlung vermeiden.
LOVE (Rehabilitationsphase ab Tag 4)
L - Load (Belastung): Eine schmerzfreie, schrittweise Rückkehr zur normalen Belastung starten.
O - Optimism (Optimismus): Dem Heilungsprozess positiv entgegensehen, da die mentale Einstellung die Genesung fördert.
V - Vascularisation (Durchblutung): Die Durchblutung durch leichte, schmerzfreie Bewegungen anregen.
E - Exercise (Übungen): Gezieltes Training zur Wiederherstellung von Kraft, Stabilität und Beweglichkeit durchführen.
Moderne Operationstechniken und Rehabilitationskonzepte ermöglichen heute zwar häufig eine Rückkehr in den Sport und können ein gerissenes Kreuzband weitgehend wiederherstellen. Dennoch bleibt ein Kreuzbandriss eine schwere Verletzung, die durch Begleitverletzungen oder eine anhaltende Instabilität des Kniegelenks die volle sportliche Leistungsfähigkeit dauerhaft beeinträchtigen kann.
Den wenigsten Menschen ist bekannt, dass Flow wissenschaftlich erforscht ist. „Flow kommt aus der positiven Psychologie“, erklärt Sara Mohr und beschreibt diesen Zustand so: „Menschen im Flow sind maximal vertieft und selbstvergessen; sie blenden alles um sich herum aus, sogar die Zeit. Sie vollbringen oft Bestleistungen und erleben dabei gleichzeitig ein Höchstmaß an Wohlbefinden und Befriedigung“. Die Ergotherapeutin im DVE (Deutscher Verband Ergotherapie e.V.) vermittelt ihren Berufskolleg:innen im Rahmen der DVE Akademie weitergehende Kenntnisse zu Flow. Das Ziel: Im Leben von Menschen mit einer Erkrankung oder in einer persönlichen Krise Alltagsaktivitäten finden, die geeignet sind, Flow zu ermöglichen und diese in deren Alltag zu verankern.
Wer neugierig, ausdauernd und lernorientiert ist und dabei wenig Angst vor Fehlern hat, ist ein potenzieller Kandidat beziehungsweise eine potenzielle Kandidatin, um öfter als andere Menschen Flow zu erleben. Flow entsteht häufig beim Arbeiten oder Studieren – sogar häufiger als in der Freizeit: beispielsweise beim Lösen komplexer Aufgaben, bei handwerklichen oder gestalterischen Projekten, beim Analysieren oder Planen und anderen Tätigkeiten, die der- oder diejenige in höchster Konzentration verrichtet. Auch bei sportlichen Herausforderungen oder beim Kreativsein wie Malen, Fotografieren, Schreiben oder Musizieren kommt es oft zu Flow und dem Gefühl, dass das, was man tut, wie von selbst passiert. Und das, obwohl es erst dann zu Flow kommt, wenn es sich um eine fordernde Betätigung handelt. Die Ergotherapeutin Sara Mohr führt das weiter aus: „Um in Flow zu kommen, muss eine Betätigung bestimmte, genauer gesagt drei Vorbedingungen erfüllen. Es muss ein klares Ziel geben wie: Ich will dieses Spiel gewinnen. Oder: Ich will diesen See durchschwimmen und so weiter“. Außerdem muss es ein Feedback geben, also die direkte Rückmeldung, ob der Handlungsschritt gelungen ist oder nicht und – das ist der wohl wichtigste, dritte Faktor: die Challenge-Skill-Balance. Das bedeutet, die Herausforderung – die Challenge – fordert genau das richtige Maß an Fähigkeiten, also Skills; sodass die Person sich anstrengen muss, aber weder unter- noch überfordert ist.
Positive Wirkung von Flow neurobiologisch erwiesen
Die positiven Auswirkungen von Flow sind mehrfach belegt: Jüngste neurobiologische Untersuchungen zeigen, dass im Gehirn – wenn jemand gerade nichts tut – das sogenannte Default Mode Network aktiv ist. Dieses Netzwerk sorgt dafür, dass man sich mit sich selbst, der Vergangenheit und aktuellen Problemen beschäftigt. Ist es zu aktiv, kann es unter anderem zu negativem Gedankenkreisen führen, was beispielsweise bei Depressionen häufig der Fall ist. Der Flow-Zustand bewirkt das Gegenteil: Das Default Mode Network wird im Flow weitgehend abgeschaltet. Stattdessen sind nur die Gehirnregionen aktiv, die eine Person für die aktuelle Aufgabe benötigt, um beispielsweise konzentriert ihrer Arbeit nachzugehen, einen anspruchsvollen Berg zu erklimmen, ein schwieriges Musikstück aufzuführen, oder, oder, oder. Wer im Flow ist, denkt nicht ständig über sich selbst nach. Auch daher, weil sich im Flow das negative Gedankenkreisen vorübergehend reduziert, fühlen sich Menschen, die regelmäßig Flow in ihrem Alltag erfahren, gesünder. Das ist durch die Flow-Forschung belegt und ebenso, dass Menschen, denen es gelingt, immer wieder in Flow zu kommen, über ein größeres Wohlbefinden und mehr Sinn im Leben berichten.
Fortbildung für Ergotherapeut:innen zum Thema Flow
Mit diesem Wissen hat die Ergotherapeutin Sara Mohr eine Fortbildung für die Akademie des DVE konzipiert. Die teilnehmenden Ergotherapeut:innen erfahren zunächst Grundlegendes zum Thema „Flow“ und auch, dass es bereits seit den 1990er Jahren etliche ergotherapeutische Modelle gibt, die auf der Flow-Theorie basieren oder diese integrieren. Im Folgenden lernen die teilnehmenden Ergotherapeut:innen die drei Vorbedingungen – ein klares Ziel, Feedback und die Skill-Challenge-Balance – die es möglich machen, in Flow zu kommen, kennen. Den Schwerpunkt der Fortbildung bilden Vorgehensweisen, um Betätigungen im Alltag der ergotherapeutischen Klient:innen zu finden, die mehr Flow ermöglichen. „Ergotherapeut:innen analysieren den Alltag ihrer Klient:innen und verschaffen sich mithilfe eines Betätigungsprofils als Erstes einen Überblick darüber, was üblicherweise an einem Tag, innerhalb einer Woche oder anderen Zeiträumen passiert und was gut oder weniger gut klappt“, beschreibt die Ergotherapeutin Mohr dieses übliche Vorgehen ihrer Berufsgruppe. Im zweiten Schritt liegt der Fokus auf Flow: Wo im Betätigungsprofil gibt es Handlungen, die Flow-Potenzial haben, sprich: Wofür begeistern sich Klient:innen, wofür sind sie motiviert, wo haben sie ein klares Ziel, bei dem ihre Fähigkeiten optimal mit den Herausforderungen zusammenpassen?
Ergotherapeut:innen als Flow-Förderer
Dabei fällt auf – und die Flow-Forschung bestätigt das – dass Menschen mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen oftmals keinen Zugang zu bestimmten Handlungen oder Betätigungen haben. Nicht selten sind strukturelle Barrieren der Grund, weshalb Menschen mit einer Behinderung oder bestimmten Erkrankungen keinen oder zu wenig Flow erleben. „Wer zum Beispiel gerne Schach spielt und dabei in Flow kommt, aber davon ausgeschlossen ist, weil der Schachverein nicht barrierefrei zugänglich ist oder aufgrund seiner chronischen Erkrankung seiner Arbeit nicht nachgehen kann, kann ergotherapeutische Unterstützung erhalten“, erklärt Sara Mohr diesen Teil ihrer Arbeit, bei dem sie, so wie auch ihre Berufskolleg:innen es tun, gemeinsam mit Klient:innen nach Alternativen und Lösungen sucht. Und last but not least geht es bei einer ergotherapeutischen Intervention auch darum, was traut die Person sich selbst zu, weiß sie ihre Fähigkeiten gut einzuschätzen? Die Betätigungen selbst kommen ebenfalls auf den Prüfstand. Wie lassen sich diese so gestalten, dass ein Flow-Potenzial entsteht? Die Ergotherapeutin gibt wieder ein Beispiel: „Wer es schafft, beim Sport oder im Fitness-Studio in Flow zu kommen, bei dem ist die Wahrscheinlichkeit deutlich höher, diese Tätigkeit zu wiederholen“.
Ergotherapeut:innen zeigen Flow-Killer auf
Das liegt unter anderem am positiven Erleben und den im Flow ausgeschütteten Hormonen. Wer im Flow ist, dessen Gehirn ist im Glücksrausch: Dort sorgen – um beispielhaft einige zu nennen – Endorphine für ein positives Gefühl und Schmerzminderung; das ausgeschüttete Dopamin ist für Motivation und Zielverfolgung nötig, weitere Hormone sorgen für Kreativität, Aufmerksamkeit und Fokus oder schaffen neue Verbindungen im Gehirn. Abschließend betont die Ergotherapeutin nochmals: „Flow lässt sich nicht auf Knopfdruck herbeiführen“. Auch ist es nicht etwa so, dass – war eine Person bei einer bestimmten Aktivität wie Joggen, Fahrradfahren, Malen, was auch immer, einmal im Flow – sie immer bei dieser Aktivität Flow erleben wird. Eine weitere der vielen Voraussetzungen, um in Flow zu kommen ist, sich tiefgehend und ungestört mit einem Thema oder einer Betätigung zu befassen. Das bedeutet auch: nicht erreichbar oder ansprechbar sein, Handy ausschalten oder gar nicht erst dabeihaben, Nachrichten deaktivieren für die Zeit, in der man nicht behelligt werden sollte, und so weiter. Denn: Unterbrechungen und Benachrichtigungen sind die schlimmsten Feinde von Flow. Ergotherapeut:innen empfehlen daher denjenigen, die Betätigungen mit Flow-Potenzial nachgehen wollen, eine zeitlich begrenzte, auch mediale Enthaltsamkeit von äußeren Einflüssen. Auch wenn das für viele eine große Herausforderung darstellt, so ist doch die Aussicht, Flow zu erleben und dabei das Beste aus sich selbst herauszuholen, ausgesprochen verlockend.
Demenztherapie wird oft auf die Gabe von Medikamenten reduziert. Dabei können nicht-medikamentöse Ansätze wie Bewegung, gezielte geistige Aktivierung oder Musiktherapie einen wichtigen Beitrag leisten: Sie helfen, kognitive Fähigkeiten zu stabilisieren, Alltagskompetenzen zu fördern und Begleitsymptome wie Unruhe oder depressive Verstimmungen zu lindern.
„Nicht-medikamentöse Therapien setzen an den vorhandenen Fähigkeiten der Menschen an“, sagt Dr. Anne Pfitzer-Bilsing von der Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI). „Richtig angeleitet und regelmäßig durchgeführt, können sie dazu beitragen, Selbstständigkeit länger zu erhalten und die Lebensqualität zu verbessern.“ Die AFI informiert darüber, welche nicht-medikamentösen Ansätze wissenschaftlich untersucht sind – und worauf Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen bei der Auswahl achten sollten.
Bewegung: Positive Effekte auf Denken und Alltag
Körperliche Aktivität ist eine der am besten untersuchten nicht-medikamentösen Therapieformen. Dazu gehören zügiges Gehen, Radfahren, Gymnastik, leichte Kraftübungen sowie Tai-Chi oder Tanzen.
Studien zeigen, dass insbesondere regelmäßiges Ausdauertraining die kognitive Leistungsfähigkeit unterstützen kann. Gleichzeitig können Kraftübungen dazu beitragen, alltägliche Aufgaben wie Anziehen oder Kochen länger selbstständig zu bewältigen und Stürzen vorzubeugen.
Als Orientierung gelten rund 150 Minuten Bewegung pro Woche. Entscheidend sind jedoch vor allem Regelmäßigkeit und individuelle Anpassung.
Kognitive Aktivierung: Fähigkeiten gezielt stärken
Strukturierte Trainings können vor allem im frühen bis mittleren Stadium einer Demenz dazu beitragen, kognitive Fähigkeiten zu stabilisieren. Dazu zählen moderierte Gespräche, Wort- oder Ratespiele sowie Übungen, die die Biografie der Menschen mit einbeziehen – etwa durch Fotos oder persönliche Gegenstände.
Wichtig ist dabei eine wertschätzende Atmosphäre ohne Leistungsdruck. Reines Wiederholen oder Auswendiglernen zeigt dagegen kaum nachhaltige Effekte. „Reine Rätselaufgaben wie Sudoku oder Kreuzworträtsel können ergänzend sinnvoll sein”, sagt Dr. Anne Pfitzer-Bilsing. „Werden jedoch immer wieder die gleichen oder sehr ähnliche Aufgaben gelöst, lässt der Effekt nach. Oft wirken sich alltagsnahe, abwechslungsreiche Aktivitäten besser auf die Kognition aus – insbesondere dann, wenn sie Bewegung, soziale Kontakte und Erinnerungen miteinander verbinden.“
Ergotherapie: Selbstständigkeit im Alltag erhalten
Ergotherapie stärkt praktische Alltagsfähigkeiten, wie das Zubereiten einfacher Mahlzeiten oder das Strukturieren des Tagesablaufs. Ziel ist es, vorhandene Ressourcen zu nutzen und Überforderung zu vermeiden.
Maßnahmen im häuslichen Umfeld sind besonders geeignet, da sie direkt in den Alltag integriert werden können. Studien zeigen positive Effekte auf die Alltagskompetenz und die Stimmung.
Musiktherapie: Zugang über Emotionen
Musik kann Menschen erreichen, selbst wenn ihnen Sprache zunehmend schwerfällt. Durch gemeinsames Singen, Rhythmusübungen oder das Hören vertrauter Lieder werden emotionale Erinnerungen angesprochen, die oft lange erhalten bleiben.
Musiktherapie kann in unterschiedlichen Stadien eingesetzt werden. Untersuchungen deuten auf positive Effekte auf Stimmung und Verhalten hin, teilweise auch auf kognitive Leistungen. „Gezielte Reize wie Musik können Erinnerungen aktivieren, Orientierung geben und durch positive Gefühle das Wohlbefinden steigern“, sagt Dr. Anne Pfitzer-Bilsing.
Wege zu passenden Angeboten
Nicht-medikamentöse Therapieangebote sind vielen Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen bislang wenig bekannt. Häufig sind sie nicht automatisch Teil der Versorgung oder werden nur auf Nachfrage verordnet. Daher ist es wichtig, sich frühzeitig über passende Möglichkeiten zu informieren.
Erste Anlaufstellen sind behandelnde Ärztinnen und Ärzte, etwa in neurologischen Fachpraxen. Sie können beraten und bei Bedarf Therapien wie Bewegungs- oder Ergotherapie verordnen. Auch Gedächtnisambulanzen und spezialisierte Demenzberatungsstellen können weiterhelfen.
Unterstützung bieten zudem Pflegeberatungsstellen, Krankenkassen und regionale Angebote wie Alzheimer-Gesellschaften oder Selbsthilfegruppen. Sie informieren über wohnortnahe Therapiemöglichkeiten und helfen bei der Auswahl geeigneter Maßnahmen.
„Wichtig ist, sich aktiv zu informieren und Angebote auszuprobieren, die zur persönlichen Situation passen“, sagt Dr. Anne Pfitzer-Bilsing. „Eine gute Beratung kann dabei helfen, passende Therapien zu finden und diese langfristig in den Alltag zu integrieren.“
Fachliche Grundlage
Die Einschätzungen basieren auf der aktuellen S3-Leitlinie „Demenzen“ (DGPPN/DGN, 2026), die den wissenschaftlichen Stand zu nicht-medikamentösen Therapien zusammenfasst.
Frauen „haben Rücken“ – und zwar deutlich häufiger als Männer. Die Gründe dafür sind vielfältig: „Neben Anatomie und Biologie spielt auch die Mehrfachbelastung durch Beruf und Familie eine Rolle – Stichwort: Care-Arbeit und Mental-Load“, sagt Susanne Dreyer, Osteopathin mit Spezialisierung auf Frauenosteopathie. Trotzdem werden geschlechtsspezifische Unterschiede in der Forschung und Gesundheitsversorgung weiterhin zu wenig berücksichtigt – das betont auch das Bundesgesundheitsministerium und fördert 2026 gezielt Forschungsprojekte zur Frauengesundheit. Anlässlich des Internationalen Aktionstags für Frauengesundheit erklärt die Aktion Gesunder Rücken (AGR) e.V., welche Unterschiede es bei der Rückengesundheit von Frauen und Männern gibt, warum Prävention gezielter ansetzen muss und wovon Frauen besonders profitieren.
Zwischen Alltag und Biologie: Warum Frauenrücken anders belastet sind
Mehr als 14 Millionen Frauen in Deutschland sind von Rückenschmerzen betroffen – deutlich mehr als Männer. Das liegt an einem Zusammenspiel von mehreren Faktoren aus Biologie, Alltag und Medizin. So beeinflussen etwa das breitere Becken und die stärkere Krümmung der Lendenwirbelsäule die Statik. Gleichzeitig ist die stabilisierende Rumpfmuskulatur im Durchschnitt weniger ausgeprägt. Auch hormonelle Schwankungen wirken sich aus: Östrogen beeinflusst Muskulatur, Bindegewebe und Schmerzempfinden. Sinkt der Spiegel in den Wechseljahren dauerhaft, kann der Rücken empfindlicher auf Belastungen reagieren. Was viele nicht wissen: „Die Beckenorgane haben großen Einfluss auf die Statik des weiblichen Körpers“, erklärt Susanne Dreyer. „Spannungen können sich über Faszienketten bis in den Rücken, das Zwerchfell oder sogar in den Kiefer fortsetzen.“ Auch Operationen im Bauchraum, etwa Kaiserschnitte oder Bauchspiegelungen, können durch Narben und Verwachsungen die Beweglichkeit im Becken und der Wirbelsäule beeinflussen.
Hinzu kommen körperliche und mentale Mehrbelastungen durch Familienarbeit, die immer noch vorwiegend Frauen betreffen: Langes Sitzen im Büro am Schreibtisch, einseitiges Heben und Tragen von Kindern und Einkäufen sowie gebückte Arbeiten im heimischen Umfeld fordern den Rücken. Fehlt der Ausgleich, ist die Belastung umso größer.
Stärken statt schonen: So schützen Frauen ihren Rücken
Geschlechtersensible Medizin bedeutet vor allem, dass Standardtipps nicht immer ausreichen. Entscheidend ist, den Rücken gezielt zu stärken und den Alltag bewusst zu gestalten. „Frauen haben im Durchschnitt weniger Muskelmasse im Oberkörper“, sagt Susanne Dreyer. „Deshalb spielt die Kräftigung eine besonders wichtige Rolle.“ Besonders effektiv sind Übungen für die tiefe Rumpf- und Beckenbodenmuskulatur, insbesondere nach der Geburt, da sie den unteren Rücken entlasten und Beschwerden vorbeugen können.
Im Alltag ist es wichtig, für Ausgleich zu sorgen, statt Belastungen zu vermeiden: Kinder und Einkaufstaschen auch einmal auf der anderen Seite tragen, Bewegungspausen einplanen und das Umfeld ergonomischer gestalten. Alternative Medizin wie Osteopathie kann helfen, Spannungen im Körper zu lösen. Yoga fördert Kraft, Beweglichkeit und Körperwahrnehmung, während Meditation und Atemübungen dabei unterstützen können, Stress zu reduzieren – ein Faktor, der Rückenschmerzen oft verstärkt.
Einfache und wirksame Übungen zur Stärkung und Entlastung des Rückens gibt es auf der AGR-Webseite: www.agr-ev.de/rueckenuebungen
Rückenfreundliche Lösungen für verschiedene Lebensbereiche finden Sie unter www.agr-ev.de/gepruefte-produkte.
Was dem Frauenrücken wirklich gut tut