

Den wenigsten Menschen ist bekannt, dass Flow wissenschaftlich erforscht ist. „Flow kommt aus der positiven Psychologie“, erklärt Sara Mohr und beschreibt diesen Zustand so: „Menschen im Flow sind maximal vertieft und selbstvergessen; sie blenden alles um sich herum aus, sogar die Zeit. Sie vollbringen oft Bestleistungen und erleben dabei gleichzeitig ein Höchstmaß an Wohlbefinden und Befriedigung“. Die Ergotherapeutin im DVE (Deutscher Verband Ergotherapie e.V.) vermittelt ihren Berufskolleg:innen im Rahmen der DVE Akademie weitergehende Kenntnisse zu Flow. Das Ziel: Im Leben von Menschen mit einer Erkrankung oder in einer persönlichen Krise Alltagsaktivitäten finden, die geeignet sind, Flow zu ermöglichen und diese in deren Alltag zu verankern.
Wer neugierig, ausdauernd und lernorientiert ist und dabei wenig Angst vor Fehlern hat, ist ein potenzieller Kandidat beziehungsweise eine potenzielle Kandidatin, um öfter als andere Menschen Flow zu erleben. Flow entsteht häufig beim Arbeiten oder Studieren – sogar häufiger als in der Freizeit: beispielsweise beim Lösen komplexer Aufgaben, bei handwerklichen oder gestalterischen Projekten, beim Analysieren oder Planen und anderen Tätigkeiten, die der- oder diejenige in höchster Konzentration verrichtet. Auch bei sportlichen Herausforderungen oder beim Kreativsein wie Malen, Fotografieren, Schreiben oder Musizieren kommt es oft zu Flow und dem Gefühl, dass das, was man tut, wie von selbst passiert. Und das, obwohl es erst dann zu Flow kommt, wenn es sich um eine fordernde Betätigung handelt. Die Ergotherapeutin Sara Mohr führt das weiter aus: „Um in Flow zu kommen, muss eine Betätigung bestimmte, genauer gesagt drei Vorbedingungen erfüllen. Es muss ein klares Ziel geben wie: Ich will dieses Spiel gewinnen. Oder: Ich will diesen See durchschwimmen und so weiter“. Außerdem muss es ein Feedback geben, also die direkte Rückmeldung, ob der Handlungsschritt gelungen ist oder nicht und – das ist der wohl wichtigste, dritte Faktor: die Challenge-Skill-Balance. Das bedeutet, die Herausforderung – die Challenge – fordert genau das richtige Maß an Fähigkeiten, also Skills; sodass die Person sich anstrengen muss, aber weder unter- noch überfordert ist.
Positive Wirkung von Flow neurobiologisch erwiesen
Die positiven Auswirkungen von Flow sind mehrfach belegt: Jüngste neurobiologische Untersuchungen zeigen, dass im Gehirn – wenn jemand gerade nichts tut – das sogenannte Default Mode Network aktiv ist. Dieses Netzwerk sorgt dafür, dass man sich mit sich selbst, der Vergangenheit und aktuellen Problemen beschäftigt. Ist es zu aktiv, kann es unter anderem zu negativem Gedankenkreisen führen, was beispielsweise bei Depressionen häufig der Fall ist. Der Flow-Zustand bewirkt das Gegenteil: Das Default Mode Network wird im Flow weitgehend abgeschaltet. Stattdessen sind nur die Gehirnregionen aktiv, die eine Person für die aktuelle Aufgabe benötigt, um beispielsweise konzentriert ihrer Arbeit nachzugehen, einen anspruchsvollen Berg zu erklimmen, ein schwieriges Musikstück aufzuführen, oder, oder, oder. Wer im Flow ist, denkt nicht ständig über sich selbst nach. Auch daher, weil sich im Flow das negative Gedankenkreisen vorübergehend reduziert, fühlen sich Menschen, die regelmäßig Flow in ihrem Alltag erfahren, gesünder. Das ist durch die Flow-Forschung belegt und ebenso, dass Menschen, denen es gelingt, immer wieder in Flow zu kommen, über ein größeres Wohlbefinden und mehr Sinn im Leben berichten.
Fortbildung für Ergotherapeut:innen zum Thema Flow
Mit diesem Wissen hat die Ergotherapeutin Sara Mohr eine Fortbildung für die Akademie des DVE konzipiert. Die teilnehmenden Ergotherapeut:innen erfahren zunächst Grundlegendes zum Thema „Flow“ und auch, dass es bereits seit den 1990er Jahren etliche ergotherapeutische Modelle gibt, die auf der Flow-Theorie basieren oder diese integrieren. Im Folgenden lernen die teilnehmenden Ergotherapeut:innen die drei Vorbedingungen – ein klares Ziel, Feedback und die Skill-Challenge-Balance – die es möglich machen, in Flow zu kommen, kennen. Den Schwerpunkt der Fortbildung bilden Vorgehensweisen, um Betätigungen im Alltag der ergotherapeutischen Klient:innen zu finden, die mehr Flow ermöglichen. „Ergotherapeut:innen analysieren den Alltag ihrer Klient:innen und verschaffen sich mithilfe eines Betätigungsprofils als Erstes einen Überblick darüber, was üblicherweise an einem Tag, innerhalb einer Woche oder anderen Zeiträumen passiert und was gut oder weniger gut klappt“, beschreibt die Ergotherapeutin Mohr dieses übliche Vorgehen ihrer Berufsgruppe. Im zweiten Schritt liegt der Fokus auf Flow: Wo im Betätigungsprofil gibt es Handlungen, die Flow-Potenzial haben, sprich: Wofür begeistern sich Klient:innen, wofür sind sie motiviert, wo haben sie ein klares Ziel, bei dem ihre Fähigkeiten optimal mit den Herausforderungen zusammenpassen?
Ergotherapeut:innen als Flow-Förderer
Dabei fällt auf – und die Flow-Forschung bestätigt das – dass Menschen mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen oftmals keinen Zugang zu bestimmten Handlungen oder Betätigungen haben. Nicht selten sind strukturelle Barrieren der Grund, weshalb Menschen mit einer Behinderung oder bestimmten Erkrankungen keinen oder zu wenig Flow erleben. „Wer zum Beispiel gerne Schach spielt und dabei in Flow kommt, aber davon ausgeschlossen ist, weil der Schachverein nicht barrierefrei zugänglich ist oder aufgrund seiner chronischen Erkrankung seiner Arbeit nicht nachgehen kann, kann ergotherapeutische Unterstützung erhalten“, erklärt Sara Mohr diesen Teil ihrer Arbeit, bei dem sie, so wie auch ihre Berufskolleg:innen es tun, gemeinsam mit Klient:innen nach Alternativen und Lösungen sucht. Und last but not least geht es bei einer ergotherapeutischen Intervention auch darum, was traut die Person sich selbst zu, weiß sie ihre Fähigkeiten gut einzuschätzen? Die Betätigungen selbst kommen ebenfalls auf den Prüfstand. Wie lassen sich diese so gestalten, dass ein Flow-Potenzial entsteht? Die Ergotherapeutin gibt wieder ein Beispiel: „Wer es schafft, beim Sport oder im Fitness-Studio in Flow zu kommen, bei dem ist die Wahrscheinlichkeit deutlich höher, diese Tätigkeit zu wiederholen“.
Ergotherapeut:innen zeigen Flow-Killer auf
Das liegt unter anderem am positiven Erleben und den im Flow ausgeschütteten Hormonen. Wer im Flow ist, dessen Gehirn ist im Glücksrausch: Dort sorgen – um beispielhaft einige zu nennen – Endorphine für ein positives Gefühl und Schmerzminderung; das ausgeschüttete Dopamin ist für Motivation und Zielverfolgung nötig, weitere Hormone sorgen für Kreativität, Aufmerksamkeit und Fokus oder schaffen neue Verbindungen im Gehirn. Abschließend betont die Ergotherapeutin nochmals: „Flow lässt sich nicht auf Knopfdruck herbeiführen“. Auch ist es nicht etwa so, dass – war eine Person bei einer bestimmten Aktivität wie Joggen, Fahrradfahren, Malen, was auch immer, einmal im Flow – sie immer bei dieser Aktivität Flow erleben wird. Eine weitere der vielen Voraussetzungen, um in Flow zu kommen ist, sich tiefgehend und ungestört mit einem Thema oder einer Betätigung zu befassen. Das bedeutet auch: nicht erreichbar oder ansprechbar sein, Handy ausschalten oder gar nicht erst dabeihaben, Nachrichten deaktivieren für die Zeit, in der man nicht behelligt werden sollte, und so weiter. Denn: Unterbrechungen und Benachrichtigungen sind die schlimmsten Feinde von Flow. Ergotherapeut:innen empfehlen daher denjenigen, die Betätigungen mit Flow-Potenzial nachgehen wollen, eine zeitlich begrenzte, auch mediale Enthaltsamkeit von äußeren Einflüssen. Auch wenn das für viele eine große Herausforderung darstellt, so ist doch die Aussicht, Flow zu erleben und dabei das Beste aus sich selbst herauszuholen, ausgesprochen verlockend.
Frauen „haben Rücken“ – und zwar deutlich häufiger als Männer. Die Gründe dafür sind vielfältig: „Neben Anatomie und Biologie spielt auch die Mehrfachbelastung durch Beruf und Familie eine Rolle – Stichwort: Care-Arbeit und Mental-Load“, sagt Susanne Dreyer, Osteopathin mit Spezialisierung auf Frauenosteopathie. Trotzdem werden geschlechtsspezifische Unterschiede in der Forschung und Gesundheitsversorgung weiterhin zu wenig berücksichtigt – das betont auch das Bundesgesundheitsministerium und fördert 2026 gezielt Forschungsprojekte zur Frauengesundheit. Anlässlich des Internationalen Aktionstags für Frauengesundheit erklärt die Aktion Gesunder Rücken (AGR) e.V., welche Unterschiede es bei der Rückengesundheit von Frauen und Männern gibt, warum Prävention gezielter ansetzen muss und wovon Frauen besonders profitieren.
Zwischen Alltag und Biologie: Warum Frauenrücken anders belastet sind
Mehr als 14 Millionen Frauen in Deutschland sind von Rückenschmerzen betroffen – deutlich mehr als Männer. Das liegt an einem Zusammenspiel von mehreren Faktoren aus Biologie, Alltag und Medizin. So beeinflussen etwa das breitere Becken und die stärkere Krümmung der Lendenwirbelsäule die Statik. Gleichzeitig ist die stabilisierende Rumpfmuskulatur im Durchschnitt weniger ausgeprägt. Auch hormonelle Schwankungen wirken sich aus: Östrogen beeinflusst Muskulatur, Bindegewebe und Schmerzempfinden. Sinkt der Spiegel in den Wechseljahren dauerhaft, kann der Rücken empfindlicher auf Belastungen reagieren. Was viele nicht wissen: „Die Beckenorgane haben großen Einfluss auf die Statik des weiblichen Körpers“, erklärt Susanne Dreyer. „Spannungen können sich über Faszienketten bis in den Rücken, das Zwerchfell oder sogar in den Kiefer fortsetzen.“ Auch Operationen im Bauchraum, etwa Kaiserschnitte oder Bauchspiegelungen, können durch Narben und Verwachsungen die Beweglichkeit im Becken und der Wirbelsäule beeinflussen.
Hinzu kommen körperliche und mentale Mehrbelastungen durch Familienarbeit, die immer noch vorwiegend Frauen betreffen: Langes Sitzen im Büro am Schreibtisch, einseitiges Heben und Tragen von Kindern und Einkäufen sowie gebückte Arbeiten im heimischen Umfeld fordern den Rücken. Fehlt der Ausgleich, ist die Belastung umso größer.
Stärken statt schonen: So schützen Frauen ihren Rücken
Geschlechtersensible Medizin bedeutet vor allem, dass Standardtipps nicht immer ausreichen. Entscheidend ist, den Rücken gezielt zu stärken und den Alltag bewusst zu gestalten. „Frauen haben im Durchschnitt weniger Muskelmasse im Oberkörper“, sagt Susanne Dreyer. „Deshalb spielt die Kräftigung eine besonders wichtige Rolle.“ Besonders effektiv sind Übungen für die tiefe Rumpf- und Beckenbodenmuskulatur, insbesondere nach der Geburt, da sie den unteren Rücken entlasten und Beschwerden vorbeugen können.
Im Alltag ist es wichtig, für Ausgleich zu sorgen, statt Belastungen zu vermeiden: Kinder und Einkaufstaschen auch einmal auf der anderen Seite tragen, Bewegungspausen einplanen und das Umfeld ergonomischer gestalten. Alternative Medizin wie Osteopathie kann helfen, Spannungen im Körper zu lösen. Yoga fördert Kraft, Beweglichkeit und Körperwahrnehmung, während Meditation und Atemübungen dabei unterstützen können, Stress zu reduzieren – ein Faktor, der Rückenschmerzen oft verstärkt.
Einfache und wirksame Übungen zur Stärkung und Entlastung des Rückens gibt es auf der AGR-Webseite: www.agr-ev.de/rueckenuebungen
Rückenfreundliche Lösungen für verschiedene Lebensbereiche finden Sie unter www.agr-ev.de/gepruefte-produkte.
Was dem Frauenrücken wirklich gut tut
Mit fortschreitendem Alter summieren sich die Faktoren, die die eigenen sozialen Interaktionen reduzieren: Freunde und Freundinnen versterben nach und nach und eigene Mobilitätsprobleme oder Erkrankungen schränken die Möglichkeiten, das Haus zu verlassen, ein. Es besteht die Gefahr, dass alte Menschen dadurch vereinsamen. "Dazu muss es aber nicht kommen", sagt Merle Böge, DVE (Deutscher Verband Ergotherapie e.V.), und erklärt: "Das Spektrum für mehr Teilhabe ist groß". Ergotherapeut:innen haben bei ihren Interventionen immer auch einen Blick auf diesen Aspekt und schauen, in wie weit diese Senior:innen noch in das Leben anderer eingebunden sind. Bei Bedarf geben sie ihnen Impulse, wie sie aktiv werden können, unterstützen sie dabei, Kontakte zu knüpfen oder zeigen ihnen Optionen und Wege auf, um sich generationsübergreifend zu verbinden.
Einsamkeit bleibt nicht ohne Folgen: die körperliche Gesundheit leidet ebenso darunter, wie die psychische. Wer weniger oder gar nicht mehr die eigenen vier Wände verlässt, bewegt sich meist nicht ausreichend. Mangelnde Bewegung beschleunigt den allmählichen Abbau der Muskulatur, beeinflusst den Knochenstoffwechsel negativ, fordert das Herz-Kreislauf-System zu wenig und ist Ursache für viele weitere Erkrankungen - ein Negativkreislauf, der sich zudem auf die Psyche niederschlägt. Das kann dazu führen, dass sich bei manchen Senior:innen ein Gefühl der Vereinsamung breit macht mit Folgen wie Stimmungsschwankungen oder Depressionen, Unsicherheiten oder ein generell abnehmendes Wohlbefinden. Es gibt also eine Reihe von Gründen, rechtzeitig etwas gegen Einsamkeit im Alter und für mehr Teilhabe zu unternehmen.
Wie Senior:innen in ergotherapeutischen Gruppen Zugehörigkeit und Teilhabe erleben
Führt der Weg von Senior:innen mit einer ärztlichen Verordnung wegen geriatrischer Probleme zu Ergotherapeut:innen, lassen diese ihr Wissen um die Folgen von Einsamkeit in die Behandlung mit einfließen: Sie beleuchten außer den physischen und psychischen Schwierigkeiten Gesichtspunkte, die Teilhabe bedeuten. "Viele Menschen fühlen sich durch ihre Kontakte zu anderen Menschen und gemeinschaftliches Erleben bereichert und belebt, daher betrachten Ergotherapeut:innen Teilhabe als einen wichtigen Faktor für die Gesundheit", erklärt Merle Böge. Studien untermauern das: Senior:innen fühlen sich trotz Erkrankungen oder Einschränkungen wohl(er), wenn sie sich in die Gemeinschaft integriert wahrnehmen. Gemeinschaft und Teilhabe können beispielsweise durch Gruppen in der ergotherapeutischen Praxis entstehen. Solche Gruppenangebote eignen sich auch für Menschen mit Demenzerkrankungen, da sie sich durch gemeinsames Backen, Malen oder Singen als Teil einer Gemeinschaft erleben können. "Es ist immer wieder erstaunlich, wie Senior:innen in der Gruppe Freude empfinden und aufblühen oder sich an Liedtexte und Sprichwörter erinnern, die ihnen sonst nicht mehr einfallen", bestätigt die Ergotherapeutin die positive Wirkung von Gemeinschaft und Teilhabe. Auch Senior:innen mit anderen Erkrankungen oder Einschränkungen profitieren von dieser Herangehensweise. Ergotherapeut:innen fragen ihre Patient:innen - oder wie sie sie nennen: Klient:innen - welche Aktivitäten sie interessieren, was ihnen Freude bereitet oder für welche Hobbys sie sich früher begeistert haben. Sie orientieren sich an der jeweiligen Biografie oder recherchieren gegebenenfalls gemeinsam mit den Senior:innen, welche Angebote es in der Umgebung gibt, was davon sie anspricht und wie es dann gelingen kann, hier einen Zugang zu finden. Nicht jede:r traut sich, möglicherweise auch aufgrund eingeschränkter Seh-, Hör- oder weiterer mangelnder Kommunikationsfähigkeiten, selbst irgendwo anzurufen oder vorbeizugehen. Sofern es keine Angehörigen oder andere Menschen gibt, die hier unterstützen, können Ergotherapeut:innen dies übernehmen.
Fortbildung für Ergotherapeut:innen: Betätigung von Jung und Alt verbinden
Um Berufskolleg:innen weitere Anregungen zu vermitteln, wie sich Verbundenheit von Jung und Alt durch gemeinsames Tun erreichen lässt, hat Merle Böge eine Fortbildung für die DVE Akademie konzipiert. Die Teilnehmer:innen tauschen ihre eigenen Erfahrungen aus und erhalten darüber hinaus viele Impulse und Ideen, die sie in ihren Arbeitsalltag integrieren können, um Senior:innen auf generationsübergreifende Aktivitäten und Betätigungen hinzuweisen. "Es lohnt sich immer, Kontakte zu den Einrichtungen und Vereinen vor Ort zu haben, denn viele Kindergärten und Grundschulen sind dankbar, wenn daraus gemeinsame Projekte entstehen wie beispielsweise Vorlesepatenschaften oder Gartenaktionen", weiß die Ergotherapeutin Böge aus eigener Erfahrung. Ebenso lassen sich Veranstaltungen von Sportvereinen oder öffentliche saisonale Märkte im Frühjahr und Herbst oder an Weihnachten als Begegnungsräume und für mehr Teilhabe nutzen. "Klare Visionen und persönliche Ziele zu haben ist keine Frage des Alters", verdeutlicht die Ergotherapeutin. Bei ihren Interventionen legen Ergotherapeut:innen Zielsetzungen immer gemeinsam mit ihren Klient:innen fest und wer das Potenzial und das Interesse hat, macht sich auch im hohen Alter für Themen und Werte stark, für die sich auch junge Menschen engagieren. Böge berichtet an dieser Stelle von einer Dame, die sich bei "Omas for Future" engagiert. Trotz einer Erkrankung mit körperlichen und psychischen Schwierigkeiten ist ihr vieles möglich. Sie nimmt an Veranstaltungen teil, obwohl ihr das Gehen nicht mehr leichtfällt, führt bei Aktionen das sogenannte "Zukunftsquiz" durch und kommt persönlich oder schriftlich in Kontakt zu verschiedenen Menschen jeden Alters. Derart eingebunden zu sein, sich für die Umwelt einzusetzen und Gutes zu tun, bewirkt bei der Seniorin selbst nur Gutes, vor allem auf mentaler Ebene. Und: sie bekommt Anerkennung, erlebt Teilhabe und fühlt sich alles andere als einsam.
Ergotherapeut:innen sorgen auch in der Pflegeeinrichtung für Teilhabe
Auch diejenigen, die ihren Lebensabend in einer Pflegeeinrichtung verbringen, erfahren Teilhabe. Nicht alle Senior:innen können noch aktiv an allen Angeboten teilnehmen. Aber auch sie sollten nicht von der Gemeinschaft ausgeschlossen sein. "Senior:innen können auch Freude, Zugehörigkeit und Teilhabe verspüren, wenn sie "nur" bei etwas anwesend sind: Wer bei Aktivitäten oder Veranstaltungen nicht alles selbst ausüben kann, ist auch als "passive:r Teilnehmer:in" willkommen", betont die Ergotherapeutin Böge, die selbst entsprechende Erkenntnisse im Pflegeheim gewonnen hat - auch mit Menschen, die teilweise stark eingeschränkt sind. Hier gilt: Dabei sein ist alles, denn in den Gruppenveranstaltungen geht es nicht nur darum, aktiv zu sein. Gruppentreffen dienen auch als Plattform, um miteinander ins Gespräch zu kommen und Erinnerungen auszutauschen. Zusammenfassend sagt Böge: "Manchmal sind es Kleinigkeiten, die Teilhabe ermöglichen". Sie ermutigt daher Jede und Jeden, Senior:innen einzubeziehen. Es reicht oft, gemeinsam ein Eis zu essen, sich für Kaffee und Kuchen zu treffen und danach wieder seiner eigenen Wege zu gehen oder eben das zu tun, wozu der oder die jeweilige Senior:in (noch) oder tagesformabhängig in der Lage ist. Selbst mit wenig Zeitaufwand lässt sich oft Großes für ältere und alte Menschen bewirken.
Zum Beginn eines neuen Jahres ist immer Hochsaison für gute Vorsätze – und für volle Fitnessstudios. Doch oft lässt die Motivation schneller nach als geplant. Trainingsgeräte für zu Hause können dann eine praktische Alternative sein, um Bewegung und Krafttraining langfristig in den Alltag zu integrieren. Liegestützgriffe, Kurzhanteln und Trainingsbänke machen das Home-Workout vielseitig und flexibel – sofern sie zum eigenen Anspruch passen und sicher sind. Denn gerade bei Themen wie Belastbarkeit und Standfestigkeit gibt es große Unterschiede. TÜV Süd-Produktexperte Florian Staudigl erklärt, worauf Verbraucher beim Kauf achten sollten, damit aus Motivation kein Verletzungsrisiko wird.
Das passende Gerät
Vor dem Kauf lohnt sich ein kurzer Check der Bedingungen: Welche Übungen sollen im Fokus stehen? Wie viel Platz ist vorhanden? „Viele schätzen den Platzbedarf der Geräte falsch ein, sodass sie am Ende schnell im Weg stehen. Denn Trainingsgeräte benötigen nicht nur einen Übungsbereich, sondern auch einen Freibereich. Dieser Freibereich muss auch einen Bereich für den Notfall-Abstieg einschließen“, sagt Florian Staudigl. Ebenso wichtig ist eine realistische Selbsteinschätzung: Die Geräte sollten zum aktuellen Trainingsniveau passen und nicht nur der Wunschvorstellung entsprechen. Zu hohe Einstiegsgewichte oder instabile Konstruktionen erhöhen das Verletzungsrisiko.
Liegestützgriffe: klein, aber effektiv
Liegestützgriffe können beim Training den Bewegungsradius vergrößern und die Handgelenke entlasten. Wichtig ist eine rutschfeste Standfläche, damit die Griffe auf glatten Böden nicht verrutschen. Die Griffe sollten zudem ausreichend standsicher sein. Auch die Griffform spielt eine Rolle: Ergonomisch geformte, gegebenenfalls leicht angewinkelte Griffe liegen besser in der Hand und können die Belastung auf Handgelenke und Unterarme reduzieren. Wichtig ist außerdem eine ausreichende maximale Belastbarkeit. „Sie muss über dem eigenen Körpergewicht liegen“, erklärt der Experte. Dabei sollten Verbraucher beachten, dass beim Training dynamische Kräfte wirken und kurzzeitige Belastungsspitzen deutlich höher sein können als das reine Körpergewicht. Scharfe Kanten oder schlecht verarbeitete Schweißnähte können ein Verletzungsrisiko darstellen und sind ein Ausschlusskriterium.
Hanteln: Gewicht, Material und Sicherung im Fokus
Hanteln zählen zu den vielseitigsten Trainingsgeräten. Kurzhanteln mit Gewichtsscheiben haben den Vorteil, dass sich das Gewicht je nach Übung und Trainingsniveau flexibel anpassen lässt. Entscheidend ist dabei eine zuverlässige Fixierung der Scheiben: Schraubverschlüsse oder hochwertige Schnellverschlüsse verhindern, dass sich diese während des Trainings lösen. Vor jeder Trainingseinheit empfiehlt es sich, die Verschlüsse kurz zu überprüfen.
Das Material der Gewichte kann relevant sein: Gusseisen ist beispielsweise robust, kann aber Böden beschädigen. Gummierte oder kunststoffummantelte Hanteln reduzieren dagegen Geräusche und schützen den Untergrund. Auch die Griffstruktur ist wichtig: Gerändelte und rutschfeste Griffe sorgen für besseren Halt, besonders bei höheren Gewichten. Bei schweißtreibenden Einheiten können zusätzlich Trainingshandschuhe oder Magnesia den Grip verbessern.
Trainingsbänke: Stabilität ist entscheidend
Trainingsbänke bilden die Basis für viele Kraftübungen und müssen daher stabil sein. „Ein zentrales Kriterium ist das höchstzulässige Körpergewicht und die höchstzulässige Trainingslast. Diese Angaben müssen klar ausgewiesen sein und dürfen nicht überschritten werden“, erklärt Florian Staudigl. Wichtig: Das maximale Benutzergewicht und die Trainingslast sind gemeinsam zu betrachten, da sie gleichzeitig auf die Konstruktion wirken.
Ebenfalls wichtig ist die Standfestigkeit: Breite Füße, rutschhemmende Gummierungen und eine stabile Konstruktion sorgen dafür, dass die Bank auch bei hohen Lasten sicher steht. Rückenlehnen und Sitzflächen sollten sich leichtgängig verstellen lassen und über stabile Rastmechanismen verfügen, die nicht unbeabsichtigt nachgeben. Sicherungsbolzen oder Arretierungen sollten deutlich hör- oder fühlbar einrasten. Eine Polsterung sorgt für mehr Trainingskomfort, darf aber nicht zu weich sein, damit der Körper stabil liegt. Sauber verarbeitete Nähte und strapazierfähige Bezüge erhöhen außerdem die Lebensdauer.
Sicherheit fängt beim Aufstellen an
Auch hochwertige Trainingsgeräte können Risiken bergen, wenn sie nicht richtig aufgestellt sind. Sie müssen auf einem flachen, stabilen und horizontalen Untergrund aufgestellt werden, auf dem sie nicht rutschen. Es muss außerdem ausreichend Platz für die vorgesehenen Bewegungen sowie einen Freibereich und einen Bereich für den Notfall-Abstieg geben. Lose Matten, Kabel oder andere herumliegende Gegenstände können schnell zur Stolperfalle werden und dürfen sich nicht im Trainingsbereich befinden.
Nach dem Aufbau sollten gemäß Montageanleitung alle Schraubverbindungen nachgezogen und in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden. In Mietwohnungen kann eine geeignete Trainingsmatte helfen, den Boden zu schützen, Geräusche zu dämpfen und die Standfestigkeit der Geräte zu verbessern. Haushalte mit Kindern sollten Trainingsgeräte zudem so platzieren oder sichern, dass sie nicht unbeaufsichtigt genutzt oder als Spielgerät zweckentfremdet werden können.
Geprüfte Sicherheit gibt Orientierung
Um ein sicheres Produkt zu wählen, sollten Verbraucher auf anerkannte Prüfzeichen wie das TÜV Süd-Oktagon oder das GS-Zeichen für „Geprüfte Sicherheit“ achten. Sie zeigen, dass die Trainingsgeräte und ihre sicherheitsrelevanten Eigenschaften wie Stabilität, Verarbeitung und Material nach festgelegten Anforderungen geprüft wurden. So trainiert es sich zu Hause mit besserem Gefühl.